Satellitenbeobachtungsstationen der 60er Jahre

Autor: Maik Hermenau

Prof. Heinz Kaminski, DJ5YM aus Bochum

Prof. Heinz Kaminski
Prof. Heinz Kaminski
1921 - 2002

Im Juli 1956 wurde auf Initiative des studierten Chemie-Ingenieurs und ehemaligen Schiffsfunkers Heinz Kaminski, die Außenstelle der Schul- und Volkssternwarte Bochum auf dem 162,6 Meter hohen Böckenberg im Stadtteil Bochum-Sundern errichtet. Im Keller seines anliegenden privaten Einfamilienhauses auf den Ruhrhöhen, richtete der Arbeitskreis der Bochumer Sternfreunde einen kleinen Raum für technisch-wissenschaftliche Arbeiten ein. Dabei wurden Funkamateure gebeten ihre Empfangstechnik leihweise zur Verfügung zu stellen, um nach Signalen von fernen Sternen zu lauschen. In der Nacht zum 5.Oktober 1957 wenige Stunden nach dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten Sputnik-1, gelang es schließlich Heinz Kaminski und den freien Mitarbeitern der Bochumer Sternwarte, als erste Station außerhalb des russischen Territoriums, die Signale des Sputnik-1 zu empfangen. Dies brachte schließlich Heinz Kaminski und der Schul- und Volkssternwarte Bochum, die weltweite Bekanntheit in den Medien ein. Nach Sputnik-1 bekam man für das weiterführen der funktechnischen Beobachtungen vom Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte in Wiesbaden, Geräte für den Aufbau einer Funkstation. Später wurden diese dann von der Stadt Bochum finanziert oder von der Industrie gestiftet. Ab 1960 gab Heinz Kaminski seinen Beruf als Chemie-Ingenieur auf und wurde der hauptamtliche Leiter der Sternwarte Bochum. Im Laufe der Jahre baute Heinz Kaminski die so ständig wachsenden Empfangsanlagen von der Schul- und Volkssternwarte, zu einer selbstforschenden Einrichtung, dem Institut für Satelliten- und Weltraumforschung aus. Da nun der kleine "Satellitenkeller" wie ihm die Presse nannte, die steigende Anzahl an Aufgaben nicht mehr bewältigen konnte, wurde für die Außenstelle am 30.Oktober 1961 das modernste Satelliten-Beobachtungsinstitutsgebäude Europas für 230.000 DM eröffnet. Schließlich beobachtete man funktechnisch und optisch über die Jahre hinweg alle Raumflugkörper von der UdSSR und der USA. Angefangen von den Sputniks, Luniks über die bemannten Raumflüge von Wostok und Woschod bis hin zu den Kurzwellen-Signalen von Mercury und Gemini. Gemessen von der Zahl der ermittelten Daten für die Bahnbestimmung, lag im März 1961 die Sternwarte Bochum auf dem 7.Platz, von den weltweit 64 Sternwarten welche Satellitenbeobachtungen durchführten. Am 5.Juli 1962 wurde die für 200.000 DM gestiftete 4-fach-Wendelantenne und zugleich größte Richtantenne Deutschlands feierlich übergeben. Diese Wendelantenne für den VHF-Frequenzbereich hat eine Gesamthöhe von ca. 12 Meter und die Länge der Wendelträger von ca. 4,50 Meter. Ab 1964 war man auch die erste APT-Empfangsstation in Europa, welche die Satellitenbilder des US-Wettersatelliten Tiros-8 empfangen und auswerten konnte. Die damaligen APT-Empfangsgeräte kosteten je nach Ausführung zwischen 25.000 bis 70.000 DM. Mit der dann bis 1966 für 3 Mio. DM errichteten 20-Meter großen Mehrzweck-Parabolantennen-Anlage in einem 40-Meter hohen Radom (Abk. engl. für Radio-Dome) bzw. Tragluftkuppel, die durch einen erzeugten Überdruck eines Gebläses aufrecht gehalten wird, empfing man sogar am 21.Juli 1969 den Apollo-11 Kommandanten Niel Armstrong direkt an Bord und live vom Mond. Für seine Forschungen wurde 1972 Heinz Kaminski zum Honorarprofessor für Weltraumkunde an der Gesamthochschule Ruhr/Essen ernannt. Nachdem sich 1982 die Stadt Bochum aus der Finanzierung und Trägerschaft zurückgezogen hatte, wandelte Prof. Heinz Kaminski sein Institut für Satelliten- und Weltraumforschung, in das private und gemeinnützige Institut für Umwelt- und Zukunftsforschung kurz IUZ um. Im Laufe der Jahrzehnte mauserte sich das IUZ zu einer hochrangigen Bildungseinrichtung. Gemeinnützig anerkannt, arbeitet das Institut seit 1990 als eine Einrichtung der politischen Weiterbildung des Landes NRW, für die Menschen des Reviers. Prof. Heinz Kaminski ernannte 1999 Thilo Elsner zu seinem Nachfolger als Leiter der Sternwarte Bochum. Nachdem die Kunststoffhülle und große Teile der Inneneinrichtung des Radoms, von einem Unwetter am 13.Oktober 1999 stark beschädigt wurde, war im Sinne der Denkmalpflege die gesamte Anlage restauriert und für eine Nutzung in Zusammenarbeit mit der AMSAT-DL technisch modernisiert worden. Heute nutzt man die 20-Meter große Parabolantenne im Radom, z.B. für den Empfang von interplanetaren Raumsonden und zukünftig auch als Bodenstation für die Marssonde AMSAT Phase-5A. Am 17.Februar 2002 verstarb leider der anerkannte Weltraumforscher Prof. Heinz Kaminski im Alter von 80 Jahren.

www.sternwarte-bochum.de


Die Fotos stammen aus dem Buch: "Kontakt mit dem Weltraum - Die Bochumer Sternwarte" von 1967.


Sächsisches Tageblatt vom 06.01.1959


Ein fünfseitiger Artikel aus der Zeitschrift "hobby Nr.12/62".

Ansichtskarten vom Institut für Satelliten- und Weltraumforschung in Bochum-Sundern


von ca. 1963


von ca. 1964


von ca. 1966


von 1966


von 1966


von 1972

Funkempfangsstelle Beelitz

Seit dem Jahre 1928 gab es die Funkempfangsstelle Beelitz der Deutschen Post, die jahrzehntelang zum Funkamt Nauen gehörte. Die Hauptaufgabe der Funkempfangsstelle Beelitz bestand im wesentlichen vom abhören von Überseegesprächen. Laut verschiede Zeitungsartikel (siehe unten: "Komarows Stimme im Ohr") wurden aber auch sehr viele Raumflugkörper wie die Sputniks, Lunik, Wostok, Woschod und Sojus gehört, wo auch Mitschnitte gemacht wurden sind.
Nach 1989 ist die gesamte Anlage in die Hände der Deutschen Telekom gelangt. Diese hat dann auch gleich die Funktechnik und die Antennenanlagen demontiert. Das einzige was heute noch übrig geblieben ist, sind die reinen Gebäude die auf Grund ihrer historischen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt wurden sind. In diesen Räumlichkeiten hat sich im Rahmen eines Umbaus ein Pfötchenhotel angesiedelt.
Im Heimatmuseum von Beelitz soll es ein Modell der damaligen Anlage, sowie unter der Verwaltung eines ehemaligen Bediensteten eine Chronik mit Fotomaterial existieren.


Funkempfangsstelle Beelitz © www.rolaa.de


Berliner Zeitung vom 24.04.1967

Satellitenbeobachtungsstationen in Europa


M.D. Oslender (links) im Juli 1992 zu Besuch bei Chris v.d. Berg (rechts).

Geoffrey E. Perry ein Physiklehrer an der "Kettering Grammar/Boys School" in Northamptonshire, England und Gründer der "Kettering Group of Amateur Space Observers", vermittelte seinen Schülern die Satellitenverfolgung und das analysieren der Funksignale von Raumflugkörpern. Mit mehr als 14.000 gelogten Einzelbeobachtungen bis zum Anfang der 80er Jahre, konnte er z.B. 1966 den bis dahin noch unbekannten sowjetischen Raketenstartplatz in Plessezk, bei der Analyse der Umlaufbahn von Kosmos-112 aufspüren. Am 18.Januar 2000 ist leider Geoffrey Perry im Alter von 72 Jahren verstorben.


Kettering Grammar Boys School
National Geographic vom September 1983


Geoffrey E. Perry 1927(*)-2000(†)
National Geographic vom September 1983

Sternwarten für Satellitenbeobachtungen in Deutschland
  • Volkssternwarte München
  • Schul- und Volkssternwarte "Juri Gagarin" Eilenburg
  • Schulsternwarte Schwerin
  • Wilhelm Förster Sternwarte in West-Berlin

Unter der Leitung von Harro Zimmer (im Bild rechts) der Satelliten-Warte der Technischen Universität Berlin.

  • Schulsternwarte Rodewisch

Während seiner Tätigkeit als Lehrer und der Leidenschaft an der Astronomie, entstand von Edgar Penzel die Idee, auf dem Schulturm der damaligen Pestalozzi-Schule auf der Straße des Friedens 5, in Rodewisch (Vogtland), eine Schulsternwarte zu errichten. Am 23.September 1950 wurde die Schulsternwarte Rodewisch gegründet und der Physik- und späteren Astronomielehrer Edgar Penzel als Leiter ernannt. Am Morgen des 08.Oktober 1957 um 04:54 Uhr MEZ, ganze vier Tage nach dem Start des ersten Erdsatelliten, gelang es dem noch jungen Lehrer Edgar Penzel und seinem Schüler Diethard Ruhnow, die wohl erste Sichtungen der übergebliebene Raketenoberstufe des Sputnik-1-Startes. Durch diese Erstbeobachtung erlangte die sächsische Schulsternwarte Rodewisch eine große internationale Bekanntheit in den Medien. Am 13.Oktober 1957 um 04:51 Uhr MEZ gelang den Schulastronomen, dann auch die erste Fotografie der Bahnspur der Raketenoberstufe im Sternbild des Großen Wagen. Erneut von sich reden machten die Rodewischer dann am 05.November 1957, mit der Erstbeobachtung von Sputnik 2. Im August des Folgejahres führten dann Edgar Penzel mit seiner Arbeitsgemeinschaft, fast 500 Bahnvermessungen des Fluges von Sputnik 3 durch. Zu dieser Zeit nahm dann schließlich Edgar Penzel auch Kontakt zu dem Astronomischen Rat der Sowjetunion auf. Die Schulsternwarte Rodewisch wurde neben acht weiteren Stationen in der DDR, als Mitglied im Satellitenbeobachtungsdienst des damaligen Beobachtungsnetzes integriert. Darauf hin stattete die Sowjetunion Ende der 50er Jahre die Schulsternwarte Rodewisch, mit sechs AT-1 Fernrohren aus. Im Turmzimmer unter der Sternwarte wurde zusätzlich eine Station für funktechnische Beobachtungen aufgebaut. Nach der Aussage von Olaf Graf, fanden mit dem Beginn der bemannen Missionen, auch vermehrte Beobachtungen der Funksignale statt. (siehe: Leipziger Volkszeitung Sonderausgabe vom 18.03.1965) Im Rahmen des 6.Pädagogischen Kongresses im Jahr 1961, wurde Edgar Penzel die Professur für seine Arbeit verliehen. Bis Mitte der 80er Jahre wurden von der Schulsternwarte Rodewisch, über 100.000 Bahnvermessungen von Satelliten aller Art durchgeführt, welche für die Positionsbestimmungen von größter Wichtigkeit waren. Für seine Verdienste in der Amateurastronomie und des jahrzehntelangen Engagements, wurde als Anerkennung und Würdigung dem Gründer und langjährigen Leiter der Schulsternwarte Rodewisch Prof. Edgar Penzel, im April 2002 der Planetoid 19022 nach ihm benannt. Am 16.Juli 2008 ist Prof. Edgar Penzel leider im Alter von 86 Jahren gestorben.



Prof. Edgar Penzel in der MDR-Dokumentation "Wenn ich groß bin, flieg ich zu den Sternen".


Prof. Edgar Penzel in der WDR-Dokumentation "Wie der Mond nach Bochum kam".


Prof. Edgar Penzel in der Dokumentation "Die Hunde-Kosmonauten von Baikonur".

  • Schulsternwarte Bautzen

Auf Bitten der damaligen sowjetischen Akademie der Wissenschaften, beteiligte sich die Schulsternwarte Bautzen von 1958 bis 1982, an der internationalen Satellitenbeobachtungen und war hierbei eine der leistungsfähigsten Stationen bei der optischen Bahnkontrolle künstlicher Raumflugkörper. Zur Bahnvermessung der Satelliten erhielt man von der Akademie der Wissenschaft, zwölf dafür angefertigte "AT-1" Spezialfernrohre.
Die Bahnvermessung der Satelliten, mit dem bestimmen ihrer Koordinaten, Aufzeichnen von Fixsternen in der Umgebung des Objektes bei gleichzeitiger exakter Zeitmessung auf Zentelsekunden Genauigkeit, war für die Ausführenden ein Arbeitsgebiet, was höchste Konzentration und Exaktheit erforderte. Gewonnene Beobachtungsergebnisse wurden sofort mittels eines bereitgestellten Fernschreibers den Weltrechenzentren in Moskau und Cambridge/Mass. (USA) übermittelt.

Zeitungsartikel mit Frequenzangaben

Sehr interessant ist, daß ich in vielen alten Zeitungen aus der DDR, Angaben zu den genutzten Funkfrequenzen gefunden habe. Trotz es damals kaum jemanden gab, der eine entsprechende Empfangstechnik aufweisen konnte. Die Frequenzen sind meines erachtens als Propaganda-Zwecke veröffentlicht worden, daß der große Kongruent USA, die Kommunikation mithören konnte. In westlichen Zeitungen hingegen, gibt es fast keine Angaben von Funkfrequenzen. Die 143,625 MHz welche die zugleich älteste Frequenz der bemannten Raumfahrt ist, wurde schon beim Raumflug von Juri Gagarin genutzt und wird bis heute noch für den Sprechfunk der Internationalen Raumstation genommen.


(West) BZ vom 07.10.1957


Lübecker Nachrichten vom 02.02.1958


Sächsiche Zeitung, Extrablatt
vom 12.04.1961


Frankfurter Nachtausgabe, Extrablatt
vom 12.04.1961


Abendpost vom 13.04.1961


Junge Welt vom 13.04.1961


Junge Welt vom 07.08.1961


Freie Presse, Extrablatt vom 07.08.1961


Bild-Zeitung vom 15.06.1963


(Ost) Berliner Zeitung vom 17.06.1963


Leipziger Volkszeitung, Sonderausgabe
vom 12.10.1964


Leipziger Volkszeitung Sonderausgabe
vom 18.03.1965


(Ost) Berliner Zeitung vom 24.04.1967


letzte Änderung: 05.01.2012

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